Website-Baukasten oder Agentur? Die ehrliche Gegenüberstellung, inklusive der Fälle, in denen der Baukasten reicht
Diese Frage kostet uns regelmäßig Aufträge. Wir beantworten sie trotzdem ehrlich, weil ein Kunde, der mit dem falschen Werkzeug startet, in achtzehn Monaten unzufrieden ist. Und dann sind wir schuld.
Die Kurzfassung
Ein Baukasten ist die richtige Wahl, wenn Ihre Website vor allem als digitale Visitenkarte funktionieren soll, Sie Zeit statt Geld investieren können und sich Ihr Angebot noch verändert.
Eine Agentur oder ein Freelancer lohnt sich, wenn die Website aktiv Kunden bringen soll, Sie individuelle Prozesse abbilden müssen oder Ihre Zeit teurer ist als das Honorar.
Das Argument "Baukästen ranken nicht bei Google" ist überholt und sollte Ihre Entscheidung nicht mehr beeinflussen.
Die drei Wege, nicht zwei
Weg 1: Baukasten in Eigenregie. Wix, Jimdo, Squarespace, IONOS MyWebsite. Sie zahlen typischerweise 15 bis 50 Euro im Monat und bauen selbst. Hosting, SSL und Updates sind enthalten.
Weg 2: Website zur Miete. Auch Website as a Service genannt. Eine Agentur baut und betreibt, Sie zahlen eine Monatspauschale, oft 39 bis 99 Euro. Bequem, aber Sie sind Mieter. Bei Vertragsende ist die Seite weg.
Weg 3: Eigentum. Festpreis für die Erstellung, danach gehören Ihnen Quellcode und Inhalte. Hosting und Wartung organisieren Sie selbst oder buchen sie dazu. Der klassische Weg, und für die meisten wachsenden Betriebe der langfristig tragfähige.
Die meisten Vergleiche im Netz stellen nur Weg 1 gegen Weg 3. Weg 2 ist für viele kleine Betriebe die eigentlich passende Antwort und wird deshalb hier mitgeführt.
Die Drei-Jahres-Rechnung, mit Ihrer Zeit
Reine Preisvergleiche sind irreführend, weil sie den größten Posten weglassen: Ihre Arbeitszeit.
| Baukasten selbst | Website zur Miete | Eigentum (Agentur) | |
|---|---|---|---|
| Einmalig | 0 € | 0 – 500 € | 5.000 € |
| Laufend pro Monat | 30 € | 69 € | ca. 35 € (Hosting, Wartung, Tools) |
| Summe über 3 Jahre | 1.080 € | 2.984 € | 6.260 € |
| Ihr Zeitaufwand | 30 – 60 Std. | 3 – 5 Std. | 8 – 15 Std. |
| Zeitaufwand in Geld (60 €/Std.) | 1.800 – 3.600 € | 180 – 300 € | 480 – 900 € |
| Realistische Gesamtkosten | 2.880 – 4.680 € | 3.164 – 3.284 € | 6.740 – 7.160 € |
| Sie besitzen danach | nichts | nichts | alles |
Die Zahlen sind Beispielwerte, aber die Struktur stimmt. Der Baukasten ist billiger als sein Ruf, sobald Sie ihn selbst bedienen. Er wird teuer, sobald Sie Ihre eigene Zeit ernst nehmen. Und er ist am Ende der drei Jahre Miete, keine Investition.
Setzen Sie Ihren eigenen Stundensatz ein. Ein Handwerksmeister, dessen Stunde beim Kunden 85 Euro bringt, rechnet anders als ein Gründer, der abends ohnehin Zeit hat.
Und ein offenes Wort zu dieser Tabelle, weil sie manipulierbar ist und Sie das wissen sollten: Wir bewerten Ihre Zeit mit Geld, und das begünstigt die Agentur. Wenn Sie Ihre Abende ohnehin nicht verkaufen können, setzen Sie den Zeitwert auf null. Dann gewinnt der Baukasten deutlich, und das ist ein völlig legitimes Ergebnis. Der Zweck der Tabelle ist nicht, dass eine Spalte gewinnt, sondern dass auf beiden Seiten dieselben Posten stehen.
Wann ein Baukasten wirklich reicht
Wir sagen das offen, auch wenn es gegen unsere Interessen ist.
Sie sind solo-selbstständig und ausgelastet. Ihre Kunden kommen über Empfehlung. Die Website muss existieren, seriös aussehen und die Telefonnummer zeigen. Alles darüber ist Geldverbrennen.
Sie testen eine Geschäftsidee. In sechs Monaten wissen Sie, was Sie eigentlich verkaufen. Bis dahin ist jede Investition in Struktur und Text verfrüht.
Ihr Budget liegt unter 1.500 Euro. Dann bekommen Sie bei einer Agentur keine gute Website, sondern eine schlechte. Ein sauber gepflegter Baukasten ist ehrlicher.
Sie haben Freude daran, selbst zu basteln. Das ist kein kleiner Punkt. Wer gern selbst schraubt, pflegt die Seite auch. Und eine gepflegte Baukasten-Seite schlägt eine vernachlässigte Agentur-Seite deutlich.
Wann er nicht reicht
Wenn die Website Kunden gewinnen soll. Sichtbarkeit entsteht nicht durch die Technik, sondern durch Inhalte, Struktur und Ausdauer. Genau daran scheitern die meisten Selbstbau-Projekte: nicht am Werkzeug, sondern daran, dass nach dem Launch nichts mehr passiert.
Wenn Sie Prozesse abbilden müssen. Terminbuchung mit Kalenderabgleich, Angebotsstrecken, Kundenbereiche, Anbindung an Ihre Warenwirtschaft. Hier stoßen Baukästen schnell an Grenzen, und die Umgehungen sind unschön.
Wenn Sie sich abheben müssen. In gesättigten Märkten wirkt eine Vorlage wie eine Vorlage. Wenn fünfzehn Kanzleien in Ihrer Stadt dasselbe Template nutzen, hilft Ihnen das nicht.
Wenn Sie planen zu wachsen. Der spätere Umzug ist der eigentliche Kostenblock. Dazu gleich mehr. Was eine Agenturlösung kostet und wovon der Preis abhängt, steht in Was kostet eine Website 2026 wirklich?
Zwei Argumente, die Sie streichen können
"Baukästen ranken nicht bei Google." Das war vor zehn Jahren ein valides Argument. Heute liefern Wix und Squarespace saubere technische Grundlagen, und Google bewertet Inhalte, nicht das darunterliegende System. Wenn eine Baukasten-Seite nicht gefunden wird, liegt es fast immer an fehlenden Inhalten, nicht am Baukasten.
"Baukästen sind nicht rechtssicher." Auch das greift zu kurz. Impressum und Datenschutzerklärung können Sie überall einbinden. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Verantwortlich sind in jedem Fall Sie, nicht der Anbieter. Ein Baukasten macht Ihre Seite nicht automatisch DSGVO- oder BFSG-konform, und keine Vorlage entbindet Sie von der Prüfung.
Die zwei Punkte, die wirklich zählen
Der Ausstieg
Baukästen sind geschlossene Systeme. Ihre Domain können Sie mitnehmen, die Website nicht. Es gibt bei Wix, Jimdo und Squarespace keine vollständige Exportfunktion, mit der sich eine Seite anderswo wieder aufbauen ließe. Wix weist im eigenen Hilfe-Center darauf hin, dass sich Inhalte zwar extern einbetten lassen, dabei aber kein Support besteht und Suchmaschinen möglicherweise nicht korrekt arbeiten.
Praktisch heißt das: Ein Wechsel ist ein Neubau. Texte und Bilder holen Sie sich manuell zurück, Struktur und Design nicht. Wer nach vier Jahren mit 40 Unterseiten wechselt, zahlt den Aufbau ein zweites Mal. Welche Zugänge und Verträge Sie unabhängig vom System in der eigenen Hand behalten sollten, steht in Wem gehört eigentlich Ihre Website?
Denken Sie beim Umzug außerdem daran, dass ein Domaintransfer keine Postfächer mitnimmt. Die MX-Einträge müssen beim neuen Anbieter neu gesetzt werden, sonst kommt keine E-Mail mehr an.
Der Serverstandort
Jimdo und IONOS sind deutsche Anbieter, Wix und Squarespace kommen aus dem Ausland. Für die meisten Firmenwebsites ist das handhabbar, sofern Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag haben und wissen, wo Formulardaten landen. Wenn Sie mit Gesundheits-, Mandanten- oder Bewerberdaten arbeiten, ist es ein echtes Kriterium.
So entscheiden Sie
Beantworten Sie zwei Fragen ehrlich.
Was ist Ihre Zeit wert, und haben Sie sie? Wenn Sie 40 Stunden aufbringen können und wollen, ist der Baukasten wirtschaftlich schwer zu schlagen. Wenn Sie diese 40 Stunden nicht haben, wird aus dem günstigen Baukasten eine halbfertige Seite, die zwei Jahre lang so bleibt. Das ist der häufigste Fall, den wir sehen.
Soll die Website arbeiten oder existieren? Eine Website, die existiert, ist eine Pflichtübung. Eine Website, die arbeitet, ist ein Vertriebskanal und braucht laufend Inhalte. Für die erste Variante reicht der Baukasten. Für die zweite ist die Technik ohnehin der kleinere Teil der Investition.
Wenn Sie nach diesen zwei Fragen unsicher sind, starten Sie klein. Ein Baukasten für ein Jahr kostet Sie rund 360 Euro und liefert Ihnen etwas, das kein Konzept ersetzen kann: Erfahrung damit, was Ihre Kunden auf der Seite eigentlich suchen. Mit diesem Wissen wird das spätere Projekt besser und günstiger.
Ihr nächster Schritt
Rechnen Sie die Tabelle mit Ihren eigenen Zahlen nach. Ihr Stundensatz, Ihre realistische Zeit, Ihr Budget. Wenn danach der Baukasten vorne liegt, nehmen Sie den Baukasten. Sie brauchen dafür weder uns noch sonst jemanden.
Wenn Sie beim Rechnen unsicher werden, gehen wir es im Erstgespräch gemeinsam durch. Auch dann, wenn am Ende steht, dass ein Baukasten für Ihre Situation die vernünftigere Wahl ist. Das kommt öfter vor, als Sie vielleicht denken.
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