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Digitale Strategie

Wem gehört eigentlich Ihre Website? Domain, Hosting, Zugänge und der teuerste Fehler beim Agenturwechsel

Der Anruf kommt meistens so: Ein Betrieb möchte die Website wechseln, die alte Agentur reagiert nicht mehr, und plötzlich stellt sich heraus, dass die Firmendomain seit neun Jahren auf den Namen eines Webdesigners eingetragen ist, den niemand erreicht.

Veröffentlicht am 12. Juli 2026 · 10 Min. Lesezeit

Das ist kein Randfall. Und es lässt sich in fünf Minuten vorher prüfen.

Zuerst: Eine Website ist vier Dinge

Der Begriff "Website" verdeckt, dass hier vier getrennte Dienstleistungen zusammenspielen, meistens mit vier getrennten Verträgen und manchmal bei vier verschiedenen Anbietern.

Die Domain ist Ihre Adresse, zum Beispiel ihrbetrieb.de. Sie mieten sie jährlich. Bei .de-Domains führt die DENIC in Frankfurt das zentrale Register. Registriert und verwaltet wird über ein DENIC-Mitglied, also Ihren Hoster oder Registrar. Wer dort als Domaininhaber eingetragen ist, hat das Sagen. Alle anderen nicht.

Das Hosting ist der Platz, auf dem die Dateien liegen. Ein Computer in einem Rechenzentrum, der Ihre Seite ausliefert, wenn jemand die Adresse aufruft. Anbieter sind zum Beispiel all-inkl, IONOS, Hetzner oder Mittwald.

Das CMS und der Quellcode sind die Website selbst. Bei WordPress: das System, das Theme, die Plugins, Ihre Inhalte, die Datenbank. Bei individuell entwickelten Seiten: der Code, den jemand geschrieben hat.

Die E-Mail hängt an der Domain, ist aber ein eigener Dienst. Ob info@ihrbetrieb.de funktioniert, entscheiden DNS-Einträge, genauer gesagt die MX-Records. Deshalb kann Ihre E-Mail ausfallen, wenn jemand an der Domain schraubt, obwohl die Website noch läuft.

Das Bindeglied zwischen allen vieren ist das DNS. Es übersetzt Ihre Domain in die Adresse des Servers, auf dem die Seite liegt, und leitet E-Mails an den richtigen Mailserver. Wer Zugriff auf die DNS-Verwaltung hat, kontrolliert faktisch Ihre gesamte digitale Präsenz.

Dazu kommen die Konten, die keine Verträge sind, aber genauso wichtig: Google Business Profile, Google Search Console, Analyse-Werkzeuge, gegebenenfalls Social-Media-Zugänge.

Wem gehört was?

Die Domain gehört dem eingetragenen Domaininhaber. Nicht dem, der bezahlt, und nicht dem, der sie eingerichtet hat. Wenn die Agentur eingetragen ist, gehört sie der Agentur. Das ist der wunde Punkt.

Das Hosting gehört dem Vertragspartner des Hosters. Wenn die Agentur den Vertrag hält und Sie eine Pauschale zahlen, sind Sie Untermieter.

Der Quellcode ist Verhandlungssache und sollte im Vertrag stehen. Bei WordPress ist das entspannter, weil das System selbst quelloffen ist und Ihre Inhalte in einer Datenbank liegen, die man exportieren kann. Bei individuell entwickelten Systemen ist die Frage ernst: Bekommen Sie den Code, oder nur ein Nutzungsrecht?

Die Inhalte gehören Ihnen, wenn Sie sie erstellt oder ihre Erstellung beauftragt haben. Auch das gehört in den Vertrag, besonders bei Fotos.

Der Fünf-Minuten-Test

Prüfen Sie das heute, nicht wenn Sie wechseln wollen.

Schritt 1: Domain. Öffnen Sie die Domainabfrage der DENIC auf denic.de und geben Sie Ihre Adresse ein. Seit Mai 2018 zeigt die Abfrage aus Datenschutzgründen keine vollständigen Inhaberdaten mehr, sondern den verwaltenden Provider und zwei Kontakt-E-Mail-Adressen. Für den ersten Test reicht das: Gehört die angezeigte Adresse zu Ihrem Betrieb oder zu Ihrer Agentur? Wenn Sie unsicher sind, schreiben Sie an die angezeigte Adresse und fragen Sie schriftlich, wer als Domaininhaber eingetragen ist. Bei anderen Endungen als .de fragen Sie beim jeweiligen Registrar nach.

Schritt 2: Zugänge. Können Sie sich einloggen, ohne jemanden zu fragen? Prüfen Sie: Kundenkonto beim Hoster, Domainverwaltung, WordPress-Admin mit Administratorrechten, Google Business Profile, Search Console.

Schritt 3: Rechnungen. Wer bekommt die Rechnung vom Hoster? Wenn Sie nur eine Sammelrechnung Ihrer Agentur sehen, wissen Sie nicht, welche Verträge auf wen laufen.

Schritt 4: Backup. Existiert eine aktuelle Sicherung, die Sie selbst herunterladen können? Ein Backup, das nur die Agentur hat, ist im Streitfall kein Backup.

Wenn Sie bei zwei oder mehr Punkten unsicher sind, haben Sie ein Klumpenrisiko. Nicht unbedingt, weil jemand böse Absichten hat. Meistens reicht es, dass ein Einzelunternehmer krank wird oder das Geschäft aufgibt.

Wenn es schon passiert ist

Ein Providerwechsel bei .de-Domains läuft seit Dezember 2008 ausschließlich über das AuthInfo-Verfahren. Der Ablauf ist einfach: Sie als Domaininhaber beauftragen Ihren bisherigen Provider, eine AuthInfo zu erstellen. Der übermittelt sie verschlüsselt an die DENIC und teilt sie Ihnen mit. Sie geben sie an den neuen Provider weiter, der damit den Wechselantrag stellt. Stimmen die Daten überein, zieht die Domain sofort um.

Der wichtige Teil: Wenn Ihr bisheriger Provider die AuthInfo verzögert oder verweigert, können Sie sie direkt bei der DENIC beantragen. Voraussetzung ist, dass Sie tatsächlich der eingetragene Domaininhaber sind. Genau deshalb ist Schritt 1 des Tests so wichtig.

Ist die Agentur als Inhaberin eingetragen, wird aus dem technischen Vorgang eine Verhandlung. Die endet manchmal mit einer Zahlung. Ein Anspruch auf Herausgabe kann bestehen, das hängt vom Vertrag und vom Einzelfall ab und ist eine Frage für eine Anwältin, nicht für einen Blogbeitrag.

Der freundliche Fall ist allerdings der häufigere. Viele Dienstleister haben sich vor Jahren aus Bequemlichkeit selbst eintragen lassen, ohne jede Absicht. Dann genügt ein Anruf. Ein Inhaberwechsel ist ein Standardvorgang, den jeder Provider kennt und der Sie in der Regel nichts oder fast nichts kostet. Fragen Sie danach, bevor Sie einen Konflikt vermuten.

Denken Sie beim Umzug an die E-Mail. Ein Domaintransfer nimmt keine Inhalte und keine Postfächer mit. Die MX-Einträge müssen beim neuen Anbieter neu gesetzt werden, sonst kommt nach dem Umzug keine Post mehr an. Das ist der häufigste vermeidbare Ausfall bei Anbieterwechseln.

Sonderfall Baukasten

Bei Wix, Jimdo oder Squarespace können Sie die Domain mitnehmen. Die Website nicht. Diese Systeme bieten keine vollständige Exportfunktion, mit der sich eine Seite anderswo wieder aufsetzen ließe. Wix schreibt im eigenen Hilfe-Center, dass sich einzelne Elemente einbetten lassen, weist dabei aber auf fehlenden Support und mögliche Probleme mit Suchmaschinen hin.

Praktisch heißt das: Ein Wechsel vom Baukasten ist ein Neubau. Texte und Bilder holen Sie sich zurück, Struktur und Design nicht. Wer über 250 Produkte pflegt, weiß, was das bedeutet.

Das ist kein Grund, keinen Baukasten zu nutzen. Es ist ein Grund, die Entscheidung bewusst zu treffen. Wann ein Baukasten die richtige Wahl ist und wann nicht, haben wir in Website-Baukasten oder Agentur? durchgerechnet.

Was in einen Vertrag gehört

Vier Sätze reichen. Lassen Sie sich Folgendes schriftlich bestätigen, bevor das Projekt startet:

  1. Domain und Hosting laufen auf den Namen des Auftraggebers. Der Auftraggeber ist eingetragener Domaininhaber.
  2. Der Auftraggeber erhält vollständige Administratorzugänge zu allen Systemen.
  3. Nach Projektende erhält der Auftraggeber ein vollständiges Backup inklusive Datenbank sowie eine Liste aller eingesetzten Lizenzen und deren Inhaber.
  4. Bei Vertragsende werden alle Zugänge und die AuthInfo binnen einer definierten Frist herausgegeben.

Eine seriöse Agentur hat damit kein Problem. Wir schreiben das inzwischen von uns aus in jedes Angebot, weil es hinterher Diskussionen erspart. Was sonst noch in ein belastbares Angebot gehört, steht in Was kostet eine Website 2026 wirklich?

Und ja, es ist einigermaßen unbequem, wenn ein Dienstleister Ihnen schreibt, wie Sie ihn wieder loswerden. Der Punkt ist genau der: Ein Anbieter, der Ihren Ausstieg absichern kann, muss Sie über Leistung halten.

Ihr nächster Schritt

Machen Sie heute Schritt 1 und Schritt 2 des Tests. Zusammen dauern sie zehn Minuten. Wenn beides sauber ist, können Sie diesen Beitrag vergessen. Wenn nicht, wissen Sie es zu einem Zeitpunkt, an dem Sie in Ruhe handeln können, statt unter Druck.

Sie kommen bei der Abfrage nicht weiter? Schicken Sie uns Ihre Domain. Wir schauen uns die öffentlichen Einträge an und sagen Ihnen, wo Sie nachhaken sollten. Kostenlos und unabhängig davon, ob wir danach zusammenarbeiten.

Nicht sicher, was Ihnen an Ihrer Website tatsächlich gehört?

Wir prüfen mit Ihnen Domain, Hosting, Quellcode und Zugänge – und sagen Ihnen klar, wo Sie stehen und was ein sauberer Anbieterwechsel bedeuten würde.

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