Die versteckten Folgekosten einer Website: Was jedes Jahr wirklich anfällt
Die Website ist bezahlt, der Launch gefeiert. Zwölf Monate später kommen die Rechnungen, mit denen niemand gerechnet hat. Hier steht, welche das sind und was sie kosten.
Die Kurzfassung
Eine typische KMU-Website in Deutschland verursacht laufende Kosten von 300 bis 1.500 Euro im Jahr. Wer die Wartung komplett abgibt und aktiv Inhalte pflegen lässt, landet bei 1.500 bis 4.000 Euro. Wer alles selbst macht und ein schlankes Setup hat, kommt mit unter 200 Euro aus.
Die Spanne entsteht nicht durch Technik, sondern durch die Frage, wie viel Arbeit Sie abgeben.
Position für Position
Hosting: 60 bis 500 Euro im Jahr
Deutsches Shared Hosting beginnt bei knapp 5 Euro im Monat, etwa bei all-inkl oder Hetzner. IONOS und Strato liegen ähnlich. Managed WordPress-Hosting mit Staging, automatischen Backups und Support auf Deutsch, zum Beispiel bei Mittwald, startet bei rund 13 Euro netto im Monat.
Der Fallstrick sind Aktionspreise. Viele Anbieter werben mit einem Euro im ersten Jahr und berechnen danach den regulären Tarif. Bei IONOS sind das nach der Aktion beispielsweise 11 Euro im Monat. Vergleichen Sie immer den Verlängerungspreis, nicht das Lockangebot, und achten Sie auf die Vertragslaufzeit. Monatliche Kündbarkeit ist im deutschen Hosting-Markt die Ausnahme.
Ein SSL-Zertifikat sollte 2026 überall inklusive sein. Wenn ein Anbieter das extra berechnet, wechseln Sie den Anbieter.
Domain: 10 bis 20 Euro im Jahr
Der kleinste Posten und der wichtigste. Nicht wegen des Preises, sondern weil an der Domain Ihre gesamte Online-Identität hängt: Website, E-Mail, Google-Profil. Achten Sie darauf, dass Sie selbst als Inhaber eingetragen sind, nicht Ihre Agentur. Warum das entscheidend ist und wie Sie es in fünf Minuten prüfen, steht in Wem gehört eigentlich Ihre Website?.
Wartung und Updates: 0 bis 3.000 Euro im Jahr
Hier entscheidet sich das Budget.
Bei WordPress fallen laufend Updates für Core, Theme und Plugins an. Wer das selbst übernimmt, zahlt nichts außer Zeit und trägt das Risiko, wenn ein Update die Seite zerlegt. Wartungsverträge deutscher Agenturen liegen typischerweise zwischen 40 und 250 Euro im Monat, je nach Umfang.
Was in einem Wartungsvertrag drin sein sollte: regelmäßige Updates, funktionierende Backups mit getestetem Rückspielweg, Monitoring, Sicherheitsprüfungen und ein definiertes Kontingent für kleine Änderungen. Was oft fehlt und teuer nachgekauft wird: die Wiederherstellung im Ernstfall.
Ein statisch ausgeliefertes System ohne Datenbank und Plugin-Ökosystem hat an dieser Stelle deutlich niedrigere Folgekosten. Das ist einer der Gründe, warum sich für viele KMU-Websites die Frage nach dem CMS überhaupt lohnt.
Consent-Tool: 0 bis 400 Euro im Jahr
Sobald Sie Analyse-Werkzeuge, eingebettete Karten oder Videos einsetzen, brauchen Sie nach § 25 TDDDG eine echte Einwilligung. Die Preise unterscheiden sich stark:
- Borlabs Cookie: einmalig beziehungsweise jährlich im unteren zweistelligen Bereich, für WordPress
- CCM19: kostenlos bis 5.000 Seitenaufrufe im Monat, danach Tarife ab rund 6 Euro monatlich, Hosting in Deutschland, auch selbst betreibbar
- Cookiebot und Usercentrics: nach der Preiserhöhung im August 2025 als Orientierung rund 30 Euro pro Domain und Monat, eher für größere Setups
Für eine normale Firmenwebsite mit moderatem Traffic reicht die günstige Kategorie. Der Enterprise-Tarif löst kein Problem, das Sie haben.
Rechtstexte: 0 bis 250 Euro im Jahr
Impressum und Datenschutzerklärung sind keine Einmalarbeit. Gesetze ändern sich, und veraltete Verweise sind abmahnfähig. Zwei Beispiele aus jüngerer Zeit: Das Telemediengesetz wurde am 14. Mai 2024 durch das Digitale-Dienste-Gesetz ersetzt, die Impressumspflicht steht seither in § 5 DDG. Und die EU-Plattform zur Online-Streitbeilegung wurde zum 20. Juli 2025 abgeschaltet. Wer noch darauf verlinkt, verweist auf eine tote Seite, was als irreführend gewertet werden kann.
Sie haben zwei Wege: einmalig anwaltlich erstellen lassen und selbst nachhalten, oder ein Abo bei einem Anbieter juristisch gepflegter Rechtstexte. Beides ist vertretbar. Nichts tun ist es nicht. Welche Pflichtangaben eine Website 2026 braucht, haben wir in der DSGVO-Checkliste für KMU zusammengestellt.
Lizenzen und Plugins: 0 bis 400 Euro im Jahr
Page-Builder, Formular-Erweiterungen, Caching, Backup-Tools, SEO-Plugins: Vieles davon gibt es kostenlos, die brauchbaren Versionen kosten meist zwischen 50 und 100 Euro pro Jahr und Lizenz. Drei bis vier solcher Lizenzen sind bei einem WordPress-Projekt normal.
Fragen Sie vor dem Projektstart, welche kostenpflichtigen Erweiterungen verbaut werden und wer die Lizenz hält. Eine Lizenz, die auf die Agentur läuft, ist beim Anbieterwechsel Ihr Problem.
E-Mail: 0 bis 150 Euro pro Postfach und Jahr
In den meisten Hosting-Paketen sind Postfächer enthalten. Wenn Sie Microsoft 365 oder Google Workspace nutzen, zahlen Sie pro Nutzer und Monat zusätzlich. Das ist selten ein Fehler, aber es gehört ins Budget.
Bilder: 0 bis 500 Euro
Stockfotos mit Lizenz kosten Geld. Ein Fotograf für einen halben Tag im Betrieb kostet mehr, wirkt aber deutlich besser und löst gleichzeitig das Problem, dass alle Wettbewerber dasselbe Stockfoto verwenden. Einmalig, nicht jährlich, aber alle paar Jahre erneuerungsbedürftig.
Drei realistische Jahresbudgets
| Schlank | Standard | Komfort | |
|---|---|---|---|
| Hosting | 70 € | 180 € | 400 € |
| Domain | 15 € | 15 € | 30 € |
| Wartung | 0 € (selbst) | 600 € | 2.400 € |
| Consent-Tool | 0 € | 80 € | 360 € |
| Rechtstexte | 0 € | 120 € | 250 € |
| Lizenzen | 0 € | 150 € | 400 € |
| Summe pro Jahr | 85 € | 1.145 € | 3.840 € |
"Schlank" setzt voraus, dass jemand im Betrieb Updates zuverlässig einspielt und weiß, was ein Backup ist. Wenn das niemand tut, ist "schlank" in Wahrheit die teuerste Variante. Sie merken es nur später.
Die Rücklage, die kaum jemand bildet
Eine Website hält vier bis sechs Jahre. Danach wirkt sie veraltet, die Technik hinkt hinterher, und Ihre Leistungen haben sich verändert. Das ist normal und kein Versagen.
Wer das weiß, kann es einplanen. Bei einer Website für 6.000 Euro und einer Lebensdauer von fünf Jahren sind das 100 Euro im Monat, die Sie zurücklegen sollten. Zusammen mit den laufenden Kosten aus der Tabelle oben ergibt das die ehrliche Zahl für das, was Ihre Online-Präsenz tatsächlich kostet.
Diese Rechnung macht fast niemand. Sie ist der Grund, warum ein Relaunch alle paar Jahre als böse Überraschung empfunden wird statt als geplante Investition.
Der Posten, der 2026 dazugekommen ist
Barrierefreiheit. Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Ob Sie betroffen sind, hängt davon ab, was Sie online anbieten und wie groß Ihr Unternehmen ist. Wer betroffen ist und nachrüsten muss, zahlt deutlich mehr, als wenn Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht worden wäre.
Bei einem Neuprojekt ist der Mehraufwand überschaubar. Bei einer bestehenden Seite mit gewachsener Struktur kann er einen vierstelligen Betrag erreichen. Wer tatsächlich betroffen ist und wer nicht, steht in BFSG 2026: Muss Ihre Website barrierefrei sein? Lesen Sie das, bevor Sie auf eines der Angebote reagieren, die derzeit mit Bußgeldern werben.
Was Sie daraus mitnehmen sollten
Fragen Sie vor der Beauftragung nach den Kosten ab Monat 13. Schriftlich. Manche Anbieter kalkulieren den Erstellungspreis bewusst niedrig und verdienen an Wartungspauschalen oder langfristigen Hosting-Bindungen. Das ist nicht per se unseriös, es muss nur auf dem Tisch liegen, bevor Sie unterschreiben.
Und rechnen Sie jedes Angebot auf drei Jahre hoch. Danach sehen die meisten Vergleiche anders aus.
Ihr nächster Schritt
Legen Sie eine Liste an: Wer stellt Ihnen für Website, Domain und E-Mail Rechnungen, wie hoch sind sie, und wann laufen die Verträge aus? Kaum ein Betrieb hat diese Liste. Sie beantwortet die meisten Fragen dieses Beitrags in zwanzig Minuten und Sie brauchen dafür niemanden.
Wenn dabei Positionen auftauchen, die Sie nicht einordnen können: Schicken Sie sie uns. Wir sagen Ihnen, was marktüblich ist und was nicht. Daraus muss kein Auftrag werden.
Wollen Sie wissen, was Ihre Website wirklich pro Jahr kostet?
Wir schauen uns Ihr Setup an und rechnen die laufenden Kosten transparent durch – Position für Position, ohne Überraschungen im zweiten Jahr.
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